OpenSource heisst nicht umsonst - und dann wieder doch
OpenSource beschreibt einen Projektzustand, bei dem Entwickler unter bestimmten Bedigungen freien Zugang zum Quellcode der jeweiligen Applikation haben - mehr nicht. Und eigentlich ist damit auch klar, dass die Applikation bzw. die Anpassung derselben auf spezifische Wünsche eines Kunden selber Geld kosten kann/darf wie viele erfolgreiche Applikationen zeigen.
Und trotzdem ist die OpenSource-Bewegung einer der Gründe, warum aus der allgemeinen “Geiz-ist-geil”-Mentalität im Internet eine “Warum-soll-ich-zahlen”-Mentalität geworden ist!
Wieso? Weil zum Einen viele Anwender OpenSource mit Freeware verwechseln und meinen, es gäbe ja auch alles, was Geld kostet umsonst im Internet.
Zum Anderen aber, weil gerade Entwickler und Programmierer immer mehr dazu neigen, anzunehmen, dass jedwede Arbeit eines Anderen nicht Geld kosten darf - ja kann. Ich erfahre es jeden Tag, dass es Menschen gibt, die aufgrund der Möglichkeit Daten oder Lösungen frei zu bekommen, nicht verstehen können, dass es bessere Daten und Lösungen nur gegen eine entsprechende Bezahlung gibt. Oftmals kommen diese Leute dann 3-12 Monate später wieder an und kaufen dann - aber eben erst dann, nur einige und hier auch nur, weil sie mit ihren eigenen Kunden Ärger bekommen haben.
Natürlich spielt auch die Krake hier mit - viele Produkte und Dienstleistungen, die früher einfach nicht umsonst zu haben waren - wie etwa ausgereifte Statistikprogramme für Internetseiten oder auch Kartenbasierte Routenberechnungen hat Google mit entsprechenden Diensten zu einem kostenlosen Markt erklärt.
Dabei wird die Masche von Google gerne übernommen - handelt es sich um einen unbedeutenden Nebenmarkt eines Unternehmens, ist es im Internet eher bereit, diese Leistungen kostenlos abzugeben, wenn es sich dadurch mehr Besucher aufgrund dieses kostenlosen Angebots erhoffen kann. So sind etwa einige kostenlose Datenbanken da draußen von Agenturen ins Leben gerufen worden, die sich damit einen anderen Akquisitionskanal für neue Kunden versprechen - und damit tatsächlich nur Ihre Konkurrenz auf sich aufmerksam machen, die dann wiederrum irgendwas sucht, was Sie als Köder umsonst ins Netz wirft.
Das eigentliche Problem dabei ist, dass sich mehr und mehr eine geistige Bewegung manifestiert, die im krassen Gegensatz (man könnte sagen diametral) zu unserer Wirtschaftsordnung steht.
Der Respekt vor geistigem Eigentum und der damit verbundenen Möglichkeit des Urhebers, damit seine wirtschaftliche Existenz zu sichern, ist nahezu nicht mehr vorhanden, wenn es um digitale Werte geht. Dabei verdient der Verbraucher sein Geld ja genau damit - denn auch das Bedienen einer Maschine lässt sich als die Nutzung geistigen Eigentums betrachten, da es die im Geiste manifestierte Fähigkeit des Arbeiters ist, der ihn die Maschine und deren wirtschaftliche Nutzung und Bedienung verstehen lässt.
Bei Entwicklern und Mitarbeitern der IT-Branche, die am Stärksten zu der “wieso-ist-das-nicht-umsonst”-Mentalität neigen, ist es auch sehr verwunderlich, dass sie als Angestellte sicherlich keinen Monat ohne Ihr Gehalt arbeiten würden, obwohl auch sie nur ihr Fähigkeiten und somit ihre geistigen Kapazitäten zur Verfügung stellen und ihr geistiges Eigentum sogar meist der jeweiligen Firma übereignen.
Ich habe nichts gegen OpenSource (nutze ja hier auch WordPress) und auch nichts gegen neue Formen des Wirtschaftens - aber die Annahme, dass wir alle in einer Gesellschaft leben könnten, in der die wirtschaftliche Nutzbarkeit geistigen Eigentums oder auch “nur” von Fähigkeiten eliminiert ist, grenzt an Wahnsinn.
Konkret könnte es keine OpenSource Projekte geben, wenn die daran beteiligten Menschen nicht in Unternehmen Arbeit fänden, die ihr eigenes geistiges Eigentum vermarkten.
Das alles kam mir aufgrund der Beendigung des Romans Accelerando von Charles Stross, in dem der Protagonist die vermeintliche Veränderung der Welt mit einer Idee der OpenSource-Ökonomie einzuleiten versucht.
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