Mein Leben mit K. - ein Gespräch beim Abendessen
Ich lieben meinen Sohn - nennen wir ihn hier der Einfachheit halber mal K. Er ist ein wahres Geschenk!
Ja - klar. Er ist auch eine bzw. bringt seine Existenz Herausforderungen mit sich. Wie etwa unsere “Gespräche” von heute abend:
K. sollte eigentlich zu abend essen. Es begann damit, dass er nicht in seinem Gefängnissitz sitzen wollte, was ich eigentlich gut nachvollziehen kann…aber es ist eben sicherer als andere Lösungen. Ach so - K ist 18 Monate alt.
Also - so in etwa laufen die Gespräche mit K. momentan:
V: “Möchtest Du ein Brot?”
K: “Ja”
V: “Möchtest Du Frischkäse drauf?”
K: “Ja”
Wunderbar - also schmiere ich ihm ein entsprechendes Brot und er isst….kurzfristig. Dann beginnt das “Spiel”:
K: “Ih-Ahhh” (das ist sein über alles geliebter Hartgummi-Esel)
V: “Ich weiss nicht, wo der Esel ist. Vielleicht auf der Fensterbank. Der muss jetzt nicht essen”
K:”Ih-Aaaaahhh”
V: “K, ich kann den jetzt nicht holen”
K: “Kaaaa” (heisst so viel wie “ich”, “mir”, “mein”)
OK - ich lasse nun einiges weg - auf jeden Fall gewinnt er nach fünf Minuten die “Schlacht um die Entscheidungshoheit”…sucht den Esel und findet ihn nicht auf der Fensterbank
K: “Ihh-Aaaah?”
V: “Ich weiss ja nicht, wo Du ihn heute hingetan hast. Wenn er nicht da liegt, wird er vielleicht oben liegen. Dann isst er eben später und wir beide essen jetzt, OK?”
K: (schaut mich enttäuscht an; dann schaut er, als würde er die 15te Wurzel von 1.204.232.543.345 im Kopf ausrechnen..)
K: “Ihh…Ahhhh!” (er rennt los, Richtung Couch; und siehe da - da liegt der Esel; ein unfassbares Quietschen kommt aus dem Mund meines Sohnes - er ist glücklich und ich denke - WOW - da hättest Du den Esel aber auch einfach selber suchen/holen können)
K: “Heia” (heisst der Esel oder das gemeinte Objekt/Subjekt schläft)
V: “Dann lass ihn schlafen…und komm essen”
K: “Nein”
Er bringt also IA den Esel mit.Wir essen weiter und der Esel probiert bei ihm, bei mir und steht sonst brav auf dem Tisch. K isst nun einigermaßen ordentlich und konzentriert…für die Minuten, die das eben geht.
K: “Waaa!” (heisst Wasser)
V: “Hier ist Dein Wasser. Möchtest Du es alleine trinken?”
K: “Ihh-Aaaah!”
V: “Der Esel soll trinken?”
K: (glücklich) “Ja”
Esel darf am Glasrand turnen und danach trinkt K selber und isst fertig.
Ich denke tatsächnlich nicht, dass man ein 18 Monate altes Kind schon richtig erziehen kann, aber es gibt eben auch schon durchaus die Bestrebungen, Grenzen auszutesten und vor allem die Bezugspersonen gegeneinander auszuspielen. Daher versuche ich eben mit morderatern Mitteln, ihm klar zu machen, wo gewisse Grenzen liegen. D.h. aber nicht, dass ich wie ein Berserker auf die Einhaltung meiner “Gesetze” achten muss - sondern eben auch mal nachgeben kann - wie hier gezeigt.
Achso - noch was: “oder”-Fragen sind für 18-Monate alte Kinder - oder zumindest eben für K - Gift. Lieber zwei getrennte Fragen - dann bekommt man auch zwei hilfreiche und ernst gemeinte Antworten.
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4 Kommentare zu “Mein Leben mit K. - ein Gespräch beim Abendessen”.
Zwei getrennte Fragen bei L:
Willst du Brot? - Nein
Willst du Brötchen? - JA
Gibt man Brötchen folgt ein “Broooot haaabe!!!”
Ich denke die Kleinen können noch garnicht wirklich erfassen was das Nein/Ja bewirkt. Getreu dem Motto:
“Wass willst du essen?” - “Das andere!”
Hmm… das kann natürlich sein…aber bei den meisten Dingen ist K.’s ja oder nein auch verbindlich…sicherlich entscheidet er sich manchmal auch um, aber meistens ist es verbindlich…
Bei Oder fragen antwortet er eben nur mit Ja
Das “Haben” ist übrigens nach dem Erlernen der “Nein” der zweit schlimmste Zustand…
Wir sollten vielleicht ein kleines Erziehungs-Erfahrungs-Austauschforum starten
Ihr sprecht mir aber beide aus der Seele. Der einzige Unterschied: Oder-Fragen werden bei mir mit einem freundlichen “Hmm?” beantwortet
Genau das war die Idee der Vaterecke