Xenophobie - Reflektionen zu einem Grundbestandteil des Menschen

5. Februar 2009 von shoggoth | Abgelegt unter Gesellschaft

“Kein Ausländer - und doch ein Fremder.” So lautet der Titel eines nun schon älteren HipHop-Liedes, dessen Urheber ich gerade nicht benennen kann. Und doch spukt mit dieser Titel seit Jahren im Kopf herum. Nicht so sehr, weil manche von uns trotz Geburt und deutschem Bildungswahn stets als Außenseiter behandelt werden, sondern eher weil mir das Grundproblem der Xenophobie, also der Angst vor dem Fremden, unreflektiert scheint. Also…ein Versuch.

Man muss das Ganze nicht auf der Ebene der Hautfarbe, Herkunft oder Religion betrachten, sondern eben beim Individuum und der Geschichte der sozialen Gemeinwesen anfangen, um sich das etwas klarer zu machen, was bei der Xenophobie und Ihren vielen Kindern wie Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Ängsten vor anderen Religionen vor sich geht. Gerade weil man versuchen muss, seine Emotionen bei der Betrachtung des Gegenstandes außen vor zu lassen.

Jedes Individuum wird (noch) von einem anderen Individuum auf die Welt gebracht: Mama. In sehr vielen Fällen hat die Mutter auch einen Lebenspartner in welcher rechtlichen Form auch immer, den wir der Einfachheit halber Papa nennen. Und schon haben wir das allererste soziale Gemeinwesen - die Familie, bestehend aus dem Kind und seinen Eltern.

Das Individuum hat es relativ einfach, was seinen Bezugsrahmen angeht - “Ich bin ich - alle anderen sind es nicht”. Das Individuum begreift sich also als Gegenpol zu allen anderen Existenzen - “da ich ich bin, kannst Du nicht ich sein”.

Das Problem beginnt aber schon mit dem Gemeinwesen Familie: “Wir sind die Familie - die anderen sind es nicht”. Dabei werden sofort - bis heute noch aus reinen vernünftigen Vorsichtsmaßnahmen - dem Kind Lektionen für das Leben erteilt. Die nicht in der Gruppe befindlichen sind grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen. In grauer Vorzeit oder schon bei den biologischen Vorfahren muss dieses Mantra bereits so ausgeprägt gewesen sein, dass fast jedes Kind auch von ganz alleine “fremdelt” wie man so schön sagt. Es entwickelt eine unbestimmte Scheu, wenn nicht gar Angst gegenüber nicht der Familie zugehörigen Personen.

Ich erlaube mir hier einfach auf die weitere Ausführungen der biologischen Aspekte (Vorteile im Verhalten und Evolution im Allgemeinen) und der frühesten, größeren Gemeinwesen (vom Affen zum Steinzeitmenschen) zu verzichten.

Irgendwann also gab es die Familie, die sich aus welchen biologischen oder sozialen Gründen auch immer von denen nicht der Familie zugehörigen abgrenzte und andere Prinzipien für den Umgang mit diesen Individuen definierte.

Und so pflanzt es sich weiter: Aus der Familie, die Großfamilie, aus der Großfamilie die Sippe/der Stamm/Clan und daraus wiederum ab einem gewissen Zeitalter sowas wie eine räumliche Großfamilie - das Dorf.

Wie groß auch immer der Rahmen des Gemeinwesens gesetzt wurde - und wie bunt auch immer das eigenen Gemeinwesen sei, es konnte nur definiert werden, weil es “uns und die Anderen” gab.

Das Grundproblem im Umgang mit der Xenophobie ist daher, dass man einen Weg finden müsste, das wahrscheinlich nicht veränderbare, dialektische Begreifen des Menschen zu ändern. Denn egal, welche Gruppe definiert wird - sie macht für den Menschen an sich nur Sinn, wenn Sie andere ausschließt. Es wird also erst dann ein wirkliches Verständnis für eine Weltgemeinschaft geben, wenn es Andere gibt. Seinen es außerirdische (*lol*) oder eben Menschen, die man nicht mehr als solche begreifen will - aufgrund genetischer oder sonstiger technischer Entwicklungen, was am Wahrscheinlichsten ist.

Die Xenophobie ist auf jeden Fall nicht heilbar, sondern liegt in der Natur des Menschen unabhängig vom Bildungsgrad, der Herkunft oder der Religion.

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3 Kommentare zu “Xenophobie - Reflektionen zu einem Grundbestandteil des Menschen”.

  1. Traurig aber wahr :(

    Der Urheber lautet übrigens Advanced Chemistry: http://de.wikipedia.org/wiki/Advanced_Chemistry und das großartige Lied “Fremd im eigenen Land”: http://www.youtube.com/watch?v=oDkubyvyRKY

  2. Cool! Vielen Dank für den Link, meinem treusten Leser :-)

  3. Kein Problem, ich fühle mich geehrt ;)