Zeit-Replik 1: “Verblendet” von Thomas Assheuer (Zeit Nr.4)
Frau Naomi Klein hat also zum Boykott israelischer Produkte aufgerufen. Abgesehen davon, dass man kaum weiss, welche Produkte wohl isrealischer Herkunft sein könnten (abgesehen von Zitronen), echauffiert es Herrn Assheuer von der Zeit so sehr, dass er in einer kleinen Kolumne im Feuilleton der Zeit Frau Klein Antisemtismus vorwirft. Zumindest hier völlig zu unrecht.
Herr Assheuer beginnt damit, dass er erzählt, dass Frau Klein im Guardian zum “boykott isrealischer Geschäfte” aufrufe. Er erwähnt aber nicht, wofür der Boykott dienen soll. Man kann nur annehmen, dass es der Abzug aus Gaza sein kann.
Er nennt den Aufruf “empörend”. Empörend, weil hier antisemitisches Gedankengut im Spiel sei und erregt sich dann über die Verbindung des Antikapitalismus und des Antisemitismus.
Nun hat Frau Klein wie von ihm selber dargestellt nicht von jüdischen Geschäften und Produkten geredet, sondern von israelischen. Er zitiert auch ihre Aussage, dass es die Boykotte waren, die die Apartheid in Südafrika zu Fall gebracht hätte.
Während es tatsächlich überall in der Gesellschaft antisemitische Tendenzen gibt, muss Herrn Assheuer vorgehalten werden, dass er selber den Staat Israel und den jüdischen Glauben miteinander verwechselt. Und genau diese Vermischung von Judentum und dem Staat Israel ist es, die den Antisemiten dient.
Gerade wenn Kritik an dem Staat Israel und dessen Strategien und Handlungen geäußert werden, empfiehlt es sich, dreimal nachzudenken, bevor man die “Antisemitenkeule” schwingt, denn nicht jede Israelkritische Äußerung ist antisemitisch.
Herr Aussheuer ist den Beweis zumindest schuldig geblieben. Denn obwohl er hätte darstellen können, wie wenig Boykotte im Falle der Apartheid tatsächlich gebracht haben - Frau Klein verwechselt hier offensichtlich Sanktionen mit Boykotten - konzentriert er sich nur darauf, die antisemitische Haltung von Marx oder gar Bakunin zu erwähnen, diese als grundsätzlich historische, antisemitsche Haltung der Linken darzustellen und somit weiter die verallgemeinernde Vermischung von den Begrifflichkeiten “Israel” und “Judentum” Vorschub zu leisten.
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