Israel und Deutschland - ein hoch emotionales Terrain
Am 21.01. stolperte ich sozusagen über “Hart aber fair”, einer dieser Debattensendungen im öffentlich rechtlichen Fernsehen, genauer gesagt der ARD. Die Sendung kann man sich momentan in der ARD Mediathek noch anschauen.
Während die Teilnehmer sehr erhitzt über Israel, Antisemitismus in Deutschland und Gaza im Besonderen diskutierten, wurde mir mal wieder klar, wie herausfordernd jedwede Diskussion in Deutschland über Israel ist. Warum eigentlich?
Tatsache ist, dass sowohl Antisemiten, Israel-Gegner wie sich selbst für Freunde Isreals haltende Redenschwinger große Schwierigkeiten haben, zwei verschiedene Gruppen an Menschen voneinander zu trennen: Juden und Israelis.
Ein Israeli, man fasst kaum, dass man es erklären muss, ist ein Bürger des Staates Israel. Er kann, muss aber nicht, dem jüdischen Glauben angehören. So gibt es auch christliche Israelis, muslemische Israelis und atheistische Israelis.
Wie in jedem repräsentativen demokratischen Staat gibt es in Israel eine Masse an politischen Strömungen, wobei manche davon religiöse Fundamente zu vertreten glauben, ähnlich wie die Evangelikalen in den USA oder die Fundamentatlisten im Iran. Aber es gibt eben auch die ganz normalen rechten und linken Parteien, radikale und gemäßigte Parteien und das ansonsten ebenfalls in jeder Demokratie anzutreffende Sammelsurium an Ideen und Ideologien.
Ein Jude hingegen ist ein dem jüdischen Glauben verhafteter Mensch, der überall auf der Welt leben kann und somit nicht notwendigerweise Bürger Israels ist, sondern eben z.B. ein deutscher Staatsbürger. Wie es eben auch deutsche Staatsbürger gibt, die dem christilichen, muslimischen oder sonstigen bzw. keinen Glaubensrichtungen angehören.
Im jüdischen Glauben gibt es nun ebenfalls eine große Vielfalt an unterschiedlicher Interpretationen des Glaubens - von liberalen Juden, die wie so viele deutsche Christen nur noch zu bestimmten Festtagen sich ihrer Religion besinnen bishin zu konservativen, ja ultraorthodoxen Juden, die zumindest glauben, streng nach den Regeln zu leben.
Wenn nun also Debatten geführt werden - wie am 21ten in der ARD - dann geht es vor allem darum, sich selbst oder als Moderator die Gäste diese für die Mehrheit doch sehr herausfordernde Unterscheidung bewusst zu machen.
Nicht nur, dass es “den Israeli” und “den Juden” nicht gibt - es gibt vor allem nur wenige weiterhelfende Zusammenhänge zwischen Israel als Staat und der Religion des Judentums.
Wenn man also Antisemitismus in Deutschland mit den Vorgängen in Israel zu erklären versucht, ist das als würde man auf Türken bezogene Ausländerfeindlichkeit in Deutschland mit Vorgängen in Ostanatolien zu begründen versuchen. Es ist absurd!
Genauso ist es aber umgekehrt: Versucht man, Aufrufe zum Boykott israelische Produkte wegen des Einmarschs in Gaza - unabhängig, was man davon halten mag - als antisemitische Aufrufe zu diffamieren, bläst man in genau dasselbe Horn, das grundsätzlich Judentum und den Staat Israel gleich setzt.
Sie können alle Meinungen auf diesen Artikel auch per RSS 2.0 RSS verfolgen. Keine Kommentare/Meinungen (mehr) zugelassen, Pings ebenfalls nicht..
Die Meinungsfunktion/Kommentarfunktion ist deaktiviert worden.