Die Wirtschaftskrise, Teil 2 - von SubPrime zur Gesamtkrise

13. Januar 2009 von shoggoth | Abgelegt unter Deutschland, Wirtschaft

Im ersten Teil beschäftigten mich eher die Ursprünge der Wirtschaftskrise, die bis dahin eine reine Krise der Finanzwirtschaft in einen bestimmten Umfeld war. In diesem Teil nun soll es eher um die schleichenden Prozesse gehen, die aus der Sub-Prime-Krise eine tatsächliche Wirtschaftskrise machten - und um die Rolle der Politik und der Medien bei dieser Ausweitung.

Subprime, Banken und die Börse

Nachdem die ersten Anzeichen offenbar wurden, dass die Sub-Prime-Blase zu platzen droht, offenbarten unterschiedlichste Banken ihre Einbindung in diese Geschäfte. Dabei waren es in Deutschland insbesondere die staatlich kontrollierten Banken, die mit den Konstrukten der Zweckgesellschaften (etwa die IKB mit einer irischen Tochter) oder direkt (wie LBBW oder BayernLB) in solche höchst spekulative Geschäfte investiert hatten. Selbstverständlich traf es auch die eine oder andere private Bank wie etwa die Commerzbank, aber z.B. die Deutsche Bank wie auch die meisten Sparkassen blieben aufgrund Ihrer ausgewogeneren Investitionspolitik eher unberührt (auch hier gab es etwa bei der Deutschen Bank Verluste, diese hielten sich aber gemessen an der Gesamtbilanz im Rahmen).

Dennoch wurde nach den Offenbarungen der IKB, der Commerzbank und der betroffenen Landesbanken eine allgemeine Bankenkrise ausgerufen - von Medien wie Politikern. Der Deutschen Bank wurde gar in Medien vorgeworfen, arroganter Weise nicht den Rettungsschirm der Bundesregierung nutzen zu wollen. Man muss ich das mal klar machen: Hier wurde einem privaten Institut vorgeworfen, dass es NICHT Geld vom Steuerzahler für ggf. falsche Investitionen erwarte.

Das ständige Gerede um die Probleme von Banken, die Verallgemeinerung auf den gesamten Finanzsektor und die dadurch mitgetragene Baisse bei den Börsen führte dann notwendigerweise zu einem Absturz der Börse in Frankfurt. Insgesamt wurden in 2008 an der Börse um die 40% Wert vernichtet. Und nicht nur Bankenwerte waren betroffen, sondern die gesamten Werte unabhängig von den wirtschaftlichen Aussichten der jeweiligen Branche oder einzelner Unternehmen wurden verkauft - die Panikmache hatte ihre Wirkung offenbart.

Hiernach meldeten unterschiedliche Unternehmen, deren Wert an der Börse um ein nicht erwartetes Maß gesunken war und die auch mit Hilfe ihres Börsenwertes jüngst Übernahmen finanziert hatten und nun in Bedrängnis gerieten, Probleme und Werksschließungen an - alles unter dem Mantel der Wirtschaftskrise.

Deutschland ist nicht die USA, die in einer wirklichen Krise steckt

Man darf bei diesem Mengengelage nicht vergessen, dass Deutschland im Gegensatz zu den USA bei den fundamentalen Werten gut da steht. Weder ist der Staat bis in absurde Größen verschuldet (Deutschland ist verschuldet, und nicht zu gering, aber verglichen mit den USA sind wir bei Weitem noch im Maß und haben die Jahre seit Schröder/Eichel und folgend mit Merkel/Steinbrück trotz aller Geldgeschenke unser Maß bei der Neuverschuldung zurück fahren können), noch sind die Bürger über alle Ohren verschuldet - im Gegenteil die Sparquote der Deutschen Bevölkerung wird international sogar als Hürde begriffen.

Deutschland ist also nicht die USA, die aberwitzige Summen für den Unterhalt Ihrer Kriege ausgeben musste. Und auch nicht Großbritannien, das sich in den letzten 20 Jahren zum europäischen Hauptstandort risikobereiter Finanzunternehmen gemausert hat.

Dennoch wurde unter dem Mantel der “Wirtschaftskrise” nun eine Schleuse geöffnet, die langsam aber sicher aus einer Panikmache und maßlosen Übertreibung in eine reale Krise gemündet ist, da das Vertrauen in die großen Unternehmen und den Kapitalismus an sich unterminiert wurden.

Es ist ja der Witz dieser Krise, dass die Politik den Bürger weiterhin in die private Vorsorge bei just den Finanzunternehmen treibt, die dieselbe Politik als so unfähig ansieht, dass sie sie mit Rettungsschirmen unterstützen muss. D.h. der Bürger legt sein Geld nicht beim Staat an, sondern bei Banken und Versicherungen, die dann wiederrum vom Staat, also den Steuerzahlungen des Bürgers, im Notfall aufgefangen werden.

Die großen drei Versager in Detroit

Und dann eben noch die Automobilkrise. Die Geschichte lief wieder ähnlich ab. Die Operette sozusagen wieder in den USA.

Ein Dreierbund bereits seit Jahrzehnten maroder und völlig der Zeit und dem Markt hinter hinkender Unternehmen - GM, Ford und Chrysler - meldeten Probleme beim Absatz.

Geradezu eine Überraschung angesichts der Benzinpreise in den USA, die jahrzehntelang niedrig gehalten werden konnten und somit die großen Drei darin bekräftigten, die weltgrößten Dreckschleudern zu bauen, mit Verbrauchswerten jenseits eines kleinen, europäischen LKWs. Jahrzehntelang kauften die Amerikaner auch diese Autos - groß und mächtig, eben die Burg auf Rädern. Dabei waren die meist verkauften Modelle dieser SUVs (Sports Utility Vehicle) sehr günstig hergestellt und bescherten den drei Unternehmen entsprechende Gewinne, die aber dennoch nicht ausreichten, um auch nur Eines dieser Unternehmen wenigstens drei Jahre in Folge das Jahr positiv abschließen zu lassen. Hausgemachte Probleme wie etwa hohe Pensions-Zahlungen, die falsch kalkulierte Renditen beinhalteten und eigentlich nicht mehr tragfähige Produktionsweisen trugen ihrerseits zu den Herausforderungen bei.

Und dann stieg eben der Rohölpreis und damit der Benzinpreis auf eine für Amerikaner bis dahin unvorstellbare Höhe - für Europäer immer noch lachhaft, aber eben für Amerikaner unfassbar. Und nun passierte wieder etwas völlig Unvorhersehbares: Nur noch sehr wenige Amerikaner kauften ein Auto mit einem Verbrauch eines kleinen LKW. Punkt. Das konnten die großen Drei nun wirklich nicht voraussehen. Wie auch.

Tatsächlich setzte dieser Ölschock fast gleichzeitig mit dem SubPrime-Schock ein - nicht nur war das Benzin teurer, das Haus, auf dessen immer währende Wertsteigerung man gesetzt hatte, wurde im Wert gemindert, die günstigen Kredite, auf die man ggf. umgeschuldet hatte, offenbarten nun ihr wahres Gesicht, indem sie für den Kreditnehmer horrende Zinsen aufgrund der Marktveränderung erforderten, was so vertraglich geregelt war. Lebensmittelpreise stiegen aufgrund der gestiegenen Transportkosten - mit einem Mal, so muss es John Doe erschienen sein, sprangen alle Preise nach oben.

Das gepaart mit der hohen Verschuldung des Staates wie der Bürger im Einzelnen macht die fundamentale Krise der USA aus.

In Deutschland haben und hatten wir keine fundamentale Krise - wir haben eine sich abschwächende Weltwirtschaft, was uns als Exportnation sicherlich trifft. Aber die USA sind nicht unser Exportraum Nr. 1 - das ist die EU. Aber auch hier kriselt es eben bei einigen Staaten wie Großbritannien oder Italien.

Und unsere eigenen Automobilbauer, in den letzten 10 Jahren gesegnet von immer steigenden Gewinnen, haben ihrerseits eben auch einige offensichtliche Zeichen übersehen - und sei es nur, dass sie die Kommunikation ihrer Fortschritte nicht hinbekommen haben. So kann man schon lange deutsche Autos kaufen, die unter 6l verbrauchen und damit unter dem Verbrauch des so hoch gelobten Toyota Prius liegen und dennoch flott sind - TDI und Konsorten sei Dank. Aber die Feinstaubdebatte…die hat den Diesel wiederrum die Luft aus den Segeln genommen.

Überhaupt ist das dt. Automobilproblem eines, das nicht nur bei den Konzernen zu suchen ist, sondern auch der Politik angelastet werden muss, die in den letzten Jahren keine wirklich klaren Rahmen geschafften hat, auf die sich Verbraucher oder Hersteller verlassen konnten. Mal sollte weniger verbraucht werden (geht mit Diesel gut), mal der Feinstaub zurück gefahren werden (geht mit Diesel schlecht), mal Ökö-Benzin und -Diesel die Lösung sein, dann aber aus Rücksicht auf die  weltweit steigenden Lebensmittelpreise bitte doch nicht, usw.

So haben wir jetzt einen Zustand, indem jeder Automobilhersteller sowohl aus eigenem Verschulden wie auch aufgrund unklarer Rahmenbedingungen keine Lösung konsequent voran getrieben hat. Einige fahren nun seit 10 Jahren Wasserstoff auf Probe, andere experimentieren genausolange mit der Brennstoffzelle und allenfalls der saubere(re) Diesel wurde vorangetrieben.

Da insbesondere 2008 auch in Deutschland zu neuen Erkenntnissen bzgl. des Benzin/Dieselpreises geführt hat, der Dieselpreis von den Ölmultis auf Benzinpreisniveau getrieben wurde und weiterhin weder die Politik noch die Hersteller sich einigen konnten, was zumindest kurzfristig bis mittelfristig eine sinnvolle Investition bzgl. eines Autos sein soll - sinken die Absätze. Auch ich gehöre zu der mittlerweile ratlosen Käuferschicht. Lieber fahre ich meinen alten Benziner-Opel bis 300TSD als das ich jetzt ein falsches Auto kaufe:

Erdgas: Keine Tankstelle in akzeptabeler Nähe

Autogas: Tankstelle vorhanden, aber Eindruck, dass es weniger gut ist als Erdgas

Diesel: Nun ja, eine gleichgebliebene höhere Steuer bei gesunkener Differenz zum Benizpreis - muss ich jetzt 60.000km/Jahr fahren, damit sich das noch lohnt?

Benziner: Die meisten verbrauchen zu viel..

Hybrid: Gut für Stadt, aber auf Landstraße ein Unding (wohne ja nicht im urbanen Zentrum)

ALSO - kauf ich nix. Und so machen es garantiert Tausende. Und das hat nichts mit einer Wirtschaftskrise zu tun, sondern mit der unverantwortlichen, keine 2 Jahre vorausdenken könnenden Politik und zum Teil eben mit der Uneinigkeit der Hersteller bei den Lösungen zu tun.

Ende.

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